IFC im Facility Management – Ja, aber die Spielregeln müssen unverändert bleiben
Wir haben in den letzten Wochen und Monaten sehr viele BIM Modelle bei unseren Kunden bekommen und diese in die Betriebsführung übernommen. Eine Frage war aber häufig zu klären und auch zuletzt auf einer Messe in Deutschland scheint es hier große Missverständnisse zu geben.
Die Einführung offener Standards wie IFC (Industry Foundation Classes) ist zweifellos ein Meilenstein auf dem Weg zu interoperablen Datenmodellen im Bauwesen. Besonders im Kontext des Facility Managements (FM) eröffnen sich durch IFC neue Möglichkeiten der Kollaboration und der Integration verschiedener Softwarelösungen. Doch bei aller berechtigten Begeisterung gilt es, einen zentralen Grundsatz nicht aus den Augen zu verlieren: das Prinzip der Single Source of Truth.
In der Praxis erleben wir immer wieder, wie Projekte daran scheitern, dass keine eindeutige Definition der führenden Datenquelle vorliegt. Änderungen werden parallel in DWG-Dateien, Revit-Modellen, Archicad-Planungen oder IFC-Daten durchgeführt – mit dem Resultat, dass sich die Datengrundlagen widersprechen und Vertrauen verloren geht.
Wer führt die Daten?
Diese Frage muss für jede Datenkategorie – sei es Geometrie oder attributive Daten klar beantwortet werden. Ohne diese Klarheit entsteht bei jedem Umbau, jeder Erweiterung und jedem externen Planungseingriff ein Flickenteppich von Informationen, der sich kaum noch konsolidieren lässt. Besonders dann, wenn Dritte wie Architekten, Generalplaner oder GU involviert sind, ist eine saubere Rückführung in das führende System oft nicht mehr möglich.
Denn Planer arbeiten IMMER in ihrem nativen Modell der Autorensoftware wo, wenn tausende Änderungen in das IFC nicht eingearbeitet sind, ein riesiger Datenverlust unvermeidlich ist.
IFC ist kein Ersatz für Governance.
Der offene Datenaustausch via IFC darf nicht mit einem „beliebigen“ Umgang mit Daten verwechselt werden. IFC kann eine wertvolle Brücke zwischen Systemen schlagen – aber nur, wenn zuvor festgelegt wurde, welches System welche Verantwortung trägt. Der Einsatz von IFC entbindet uns nicht von der Pflicht zur Datenführung – er macht sie im Gegenteil noch dringlicher.
Was jetzt zu tun ist:
- Einführung eines verbindlichen Datenführungsmodells
- Klare Rollenzuteilung und Verantwortlichkeiten im Datenmanagement
- Verwendung von IFC gezielt für den Austausch, nicht für die dauerhafte Pflege
- Schulung aller Beteiligten in der Bedeutung und Anwendung des Single Source of Truth-Prinzips
- Welche Daten werden nicht mehr im nativen Modell und nicht mehr im IFC geführt sondern direkt im CAFM System?
- Welche Änderungen werden immer im nativen Modell vollzogen und danach „frisch“ als IFC exportiert?
Digitalisierung im FM braucht Standards (mehr denn je) – aber sie braucht vor allem Struktur. (mehr denn je) IFC ist ein Werkzeug. Die Ordnung müssen wir selbst schaffen.

Christian Hollaus
ISH-Solutions GmbH
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